Wenn es unseren kindern nicht gut geht…

…verlassen wir Eltern oft automatisch auch unsere Komfortzone

Na klar, es ist unsere Hauptaufgabe als Eltern, unsere Kinder fit zu machen für alle Herausforderungen, die das Leben so für sie bereit hält. Dabei ist es häufig emotional schwierig für uns Eltern, wenn es bei unseren Kindern nicht rund läuft und wir nicht mal eben schnell helfen können. Aber wem hilft das eigentlich?

Es läuft nun mal nicht immer alles rund!

Seit gerade einmal zwei Wochen ist Henry nun in Südfrankreich, geplant sind drei Monate. Eigentlich. Aber bevor es richtig losgeht, ist der Austausch auch schon wieder zu Ende: Einseitig von der gastgebenden Familie gekündigt. Einen nachvollziehbaren Grund erfahren weder Henry noch seine Eltern. Mit Henry wird insgesamt nicht mehr gesprochen. Über ihn sehr wohl. Mit der Schuldirektion, Henry darf währenddessen vor der Tür sitzen darf. Andere Länder andere Sitten…

Wer leidet mehr, wenn es den Kinder nicht gut geht?

Für die Eltern ist es nicht viel einfacher. Mehrfach täglich klingelt das Telefon und vor dem geistigen Auge versuchen sie sich vorzustellen, wie sich wohl ein Abendessen anfühlt, bei dem niemand mit dir spricht. Ein ohnmächtiges Gefühl: Wie kommt diese Familie überhaupt darauf, so mit Henry umzugehen? Sie wissen ja, wen sie losgeschickt haben: Freundlich und gut erzogen ist er. Eigentlich. Aber irgend etwas muss er doch verbrochen haben, oder? Henry ist 14. Jetzt muss er wohl die Reste seines durchschnittlich ausgeprägten Selbstbewusstseins irgendwie beisammen halten. Not so easy.

Wenn Kinder in Schwierigkeiten sind, können wir uns häufig nicht abgrenzen

Wenn unsere Kinder Schwierigkeiten haben, fehlt uns Eltern oft die nötige Abgrenzung. Schnell machen wir uns Gedanken darüber, was wir(!) falsch gemacht haben könnten. In unserer Erziehung kann doch etwas nicht stimmen, oder? Ansonsten kann es ja wohl kaum so weit kommen! Nachts liegen wir vielleicht sogar wach vor Sorge und Mitleid. Wie wird er diese Erfahrung wohl verarbeiten? Wie konnten wir (!) ihm das antun, hätten wir das nicht kommen sehen können?

Kinder sind häufig widerstandsfähiger als wir denken

Zu spüren, dass seine Eltern ihm Rückhalt gewähren ist zweifellos eine wichtige Erfahrung für Henry. Davon, dass sie nachts wach liegen, haben allerdings weder sie noch er etwas.

Nachdem die Rückreise organisiert und vollzogen ist, stellen sie einigermaßen überrascht fest:

  • Henry genießt die Extraportion Fürsorge, keine Frage
  • Aber die teilweise kläglichen Anrufe hat er irgendwie vergessen.
  • Er sieht überhaupt keine Verantwortung bei seinen Eltern. Er wollte den Austausch, und der ist eben schief gelaufen, niemand hat Schuld, es ist eben passiert.
  • Einen weiteren Austausch schließt er überhaupt nicht aus, ganz im Gegenteil, erste Recherchen laufen schon 😉
  • Er hat für sich eine Menge gelernt in den vergangenen Wochen, er möchte die Zeit gar nicht zurückdrehen!

Unsere Kinder sind häufig viel widerstandsfähiger als wir glauben. Klar benötigen sie unsere Unterstützung in konkreten Situationen, in denen sie sich einfach nicht selber helfen können, z.B. weil sie ohne uns keinen Flug buchen können.

Was wir Eltern lernen dürfen

Je älter sie werden: Nicht alles, was unseren Kindern widerfährt, liegt in unserer Verantwortung.

Wir neigen oft dazu, den Fehler bei uns zu suchen (was haben wir denn falsch in seiner Erziehung gemacht, dass unser Sohn jetzt so behandelt wird?!).

Anders als früher haben wir nicht mehr die komplette Kontrolle über das, was unseren Kindern widerfährt. Dieser Kontrollverlust macht uns unterbewusst auch unsicher.

Eltern von (angehenden) Abiturienten geht es ähnlich

Häufig können wir Eltern es nur schwer ertragen, wenn unsere Kinder in der Frage der Berufsorientierung die nötige Entschlossenheit zu fehlen scheint. Ob und was geschieht, bleibt uns ja auch häufig verborgen. Nur dass es kein Ergebnis gibt, das bekommen wir sehr wohl mit. Und das auszuhalten ist häufig nicht so leicht, je nachdem wie lange dieser Zustand eben dauert.

Aus Sicht des Abiturienten ist dieser Schwebezustand auch nicht befriedigend!

Wir dürfen davon ausgehen: Niemand hadert mit der Entscheidung wie es nach dem Abi weitergehen soll, nur um seine Eltern zu ärgern. Ganz im Gegenteil: Solange der nächste Schritt nicht klar ist, fehlt auch unseren Kindern die Perspektive und das lähmt sie in der Regel auch in der aktuellen Situation. Hinzu kommt

Wer sich für etwas entscheidet, trifft auch eine Entscheidung gegen etwas!

Will ich Social Media Manager werden oder Medizin studieren? Wer sich für das eine entscheidet, klammert immer auch eine Menge Möglichkeiten aus. Wer sich im Geiste schon dabei beobachtet, wie er Menschen beim gesund bleiben oder werden unterstützt, wird voraussichtlich nie ein Experte für digitale Medien werden. Oder doch? Das eine tun, ohne das andere zu lassen, darauf kommen die wenigsten Abiturienten. Dabei kann uns diese Überlegung manchmal dabei helfen, über die Hürde der Entscheidung zu kommen. Denn natürlich kann auch ein Arzt einen Blog auf seiner Website pflegen. Jemand mit Interesse für Chemie und Jura kann sich bei entsprechender Gestaltung seiner Studienzeit mit Sicherheit excellent positionieren. Beispiele gibt es genug.

Wer entscheidet, übernimmt Verantwortung

Viele Jugendlichen haben Respekt vor der Entscheidung, was nach dem Abitur passieren soll. Die Auswirkungen können sich schließlich kaum überblicken. Was, wenn sie sich falsch entscheiden? Bewusst oder unbewusst wabert diese Frage im Kopf herum. Anders als fast jede Entscheidung bis hierhin kann niemand außer sie selbst die Verantwortung für eine (Fehl-)entscheidung übernehmen. Je nachdem wieviel Übung unsere Kinder darin haben, mit den Konsequenzen ihres Handelns umzugehen, fällt es ihnen die spannende Herausforderung der Berufswahl damit schwer -oder auch nicht. Die meisten Eltern haben schon mal gravierende Fehlentscheidungen in ihrem Leben getroffen. Wissen deine Kinder davon? Von dir könnten deine Kinder am besten lernen, dass das Leben auch danach noch weitergeht!

Nix entscheiden – das scheint einfach!

Irgendwie ist es ja auch ganz schön bequem zu Hause. Die geltenden Regeln sind bekannt, die nerven zwar manchmal , aber man weiß immerhin, woran man ist. Das Hotel Mama gibt es in unterschiedlichen Kategorien, aber im wesentlichen kann der (angehende) Abiturient kommen und gehen, wann man will, der Kühlschrank ist gefüllt, der Haushalt erledigt sich fast wie von selbst. Von kleinen Pflichten wie gelegentliches Rasen mähen mal abgesehen. Der Dauerauftrag für das Taschengeld läuft häufig sogar auch nach dem Abitur noch weiter, das selbst verdiente Geld aus dem Nebenjob kommt noch hinzu. Vielen Abiturienten geht es finanziell in dieser Phase ziemlich gut, zumindest was die Relation von Aufwand und Ertrag angeht. Kurz: Die Entscheidungsnot hält sich auf Basis dieser Parameter in Grenzen.

Nur wer seine Komfortzone verlässt, lernt!

In der 4 Sterne Komfortzone des Hotel Mamas ist die Lernkurve mit Sicherheit überschaubar. Auch das sollten wir uns eingestehen: Der Status Quo bringt weder unsere Kinder noch uns selbst voran. Dort wo die Phase der Orientierung länger dauert als es für die Beteiligten -in der Regel die Eltern- in Ordnung ist, fehlt auch deren Entschlossenheit, den Zustand zu verändern.

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Unsere Challenge: Raus aus der Komfortzone!

Unter diesen Titel habe ich mit meinen Kolleginnen eine 30 tägige Challenge veranstaltet, um ein Projekt fertigzustellen und unsere täglichen Gewohnheiten mit etwas Gemüse und Gesundheit aufzuporschen. Mein ursprünglichen Ziele war, mein Buch über Berufsorientierung fertig zu stellen. Das habe ich etwas aus den Augen verloren, weil das Leben dazwischen kam. So ziemlich das, was oben steht, denn den Henry, den kenne ich ziemlich gut 😉 Gelernt habe ich trotzdem ziemlich viel.

Wie es meinen Kolleginnen mit ihren Zielen gegangen ist, das haben sie ebenfalls verbloggt.

Birgit Barilits von Ernährugssachen beispielsweise ist aus ihrer Komfortzone raus, in dem sie Atemübungen nach Wim Hof in ihren Alltag integriert hat. Davon hatte ich noch nie gehört bis dahin, ehrlich gesagt. Spannend ist es! Außerdem war Birgit extrem fleißig und hat einen Abrisskalender für 2022 finalisiert, voll retro! Ich hab den hier vor mir liegen und trotz aller Skepsis im Vorfeld wird das Teil wohl einen festen Platz in unserer Küche bekommen. Sehr unterhaltsam, mit praktischen Tipps, die wirklich gut und einfach umsetzbar sind.

Cornelia Biesenthal, mit der ich mich regelmäßig zum Thema Berufsorientierung austausche und Annett Zöller (Energieberaterin) haben nicht nur viel Gemüse gegessen.

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